Donnerstag, Januar 24, 2008

Doping im Deutschen Ski Verband?

Für das Phrasenschwein könnte ich beginnen mit - die Nachricht schlug ein wie eine Bombe - und so ganz falsch wäre die Aussage wohl auch nicht gewesen, wenn man bedenkt, was dort vor ein paar Tagen über die Ticker gelaufen ist. Merkwürdig ist daran nur, wie schnell dann auch wieder zurückgerudert wurde und wie scharf man sich nach außen von den Meldungen distanzierte. Versuchen wir mal ein paar Teile zusammen zu tragen und dann kann sich jeder ein eigenes Bild machen, oder auch noch Teile dazu tun, oder durch Diskussion entfernen.
Fakt ist, dass Österreichs Langläufer zur Heim WM 1999 voll waren bis zum geht nicht mehr und sich dazu mit KnowHow aus der ehemaligen DDR eingedeckt hatten, was heute unter der Kausa Maier bekannt ist. Österreich ist also nicht zu klein für ein ordentliches Dopingsystem, wie dies der ÖSV Präsident gern darstellen möchte. Fakt ist, dass die damaligen Protagonisten noch heute in höchsten Verbandspositionen unterwegs sind und der Weg von Deutschland nach Österreich nicht weit ist. Fakt ist, dass eine Kaisa Varis aus Finnland im Langlauf positiv getestet wurde, nun zum Biathlon wechselte und wohl dort auch wieder mit einem Positivergebnis, was die Dopingtests betrifft, rechnen muss. Fakt ist, dass Evi Sachenbacher-Stehle und Jens Filbrich bereits Schutzsperren aufgrund zu hoher Hämatokritwerte erhalten haben. Fakt ist, dass die DSV Langläufer lange Zeit von einem gewissen Herrn Georg Huber betreut wurden, der im Rahmen des Doping Skandals rund um das Team Telekom von der Uniklinik Freiburg suspendiert wurde. Fakt ist, dass Hajo Seppelt als "ermittelnder ARD Redakteur" bereits im Radsport lange Zeit ausgebootet wurde, als die ARD noch Sponsor des Team Telekom war. Sicher hat er mit seiner Meldung gezockt und gehofft, dadurch einen Stein ins Rollen zu bringen, doch letztlich war sein Blatt zu dünn. Dafür wurde er jetzt sauber rasiert und hat wohl eher dafür gesorgt, dass weniger Wissen ans Tageslicht geraten wird. Denn Fakt ist, dass die ARD seit dem Radsportausstieg und dem preislich sehr günstigen Einstieg bei den DSV Vermarktungsrechten wieder in der gleichen Zwickmühle sitzt wie vorher im Radsport. Biathlon ist ein absoluter Quotenhit und bringt riesige Einnahmen. Ski Langlauf boomt und schafft mit der Tour de Ski ein neues, zukunftsfähiges und werbeträchtiges Format, Skispringen wird internationaler. Da kommt der nächste Dopingskandal beim neuen Zugpferd wohl eher ungelegen. Sicher ist es wahrscheinlicher, dass es sich in Wien um "alte Kamellen" handelt, denn wer kann wirklich noch so blöd sein, jetzt noch auf solch einfache Art und Weise zu betrügen, doch es wäre ja trotzdem ein gewaltiger Imageschaden, wenn die Helden von einst fallen würden. Daher wird in den Labors dieser Welt in letzter Zeit sicher erst mal ordentlich sauber gemacht, um Beweise a la Jan Ullrich nicht mehr möglich zu machen. Damit wird es für die Dopingfahnder natürlich wieder schwerer, den neuesten Betrügereien auf die Spur zu kommen.

Doch wollen wir hier ja nicht einseitig werden und mal schauen, was so Alles dagegen spricht. Da ist einerseits mein inneres Gefühl, denn ich stamme selbst aus dieser Generation Leistungssportler und ich kann es mir schlichtweg nicht vorstellen, dass sich diese Menschen in ein solch perfides System aus Lügen, Versteckspielen und Angst begeben. Der Herr Huber wird selbst von Radprof Jörg Jaksche als eher unbeteiligt in Schutz genommen. Eine große Freundschaft zwischen Österreich und Deutschland, oder gar eine Zusammenarbeit im nordischen Skisport kann man absolut nicht feststellen. Außerdem ist Fakt, dass die Leistungen der Langläufer und Biathleten sicher hoch sind, aber nicht übermenschlich a la Tour de France. Fakt ist, dass die Leistungsentwicklung anhand der FIS-Punkte bei den deutschen Athleten lehrbuchmäßig ist und ohne Leistungsexplosionen auch wenig Anlass zu Spekulationen gibt. Fakt ist, dass die Leistungsprotokolle der Formüberprüfungen ebenfalls eine Bestätigung für einen sauberen Sport darstellen. Fakt ist, dass eine Schutzsperre kein Hinweis auf Doping per se darstellt. Fakt ist, dass es keinen positiven Dopingtest gibt (das ist allerdings auch bei Jörg Jaksche so). Fakt ist, dass aus meiner persönlichen Sichtweise die Trainer nicht das Knowhow für Doping mitbringen. Im Radsport war dies ein über Jahrzehnte gewachsenes und entwickeltes System. Im Skisport gibt es nur wenige, die als Athleten selbst mit Doping in West und Ost Bekanntschaft gemacht haben, aber ob das ausreicht, um als Trainer die Intelligenz für ein Dopingsystem bei den Athleten zu entwickeln? Ich glaub es nicht. Für mich der wichtigste Punkt ist, dass man für "gutes Doping" vor allen Dingen eins braucht, nämlich viel Geld und da sehe ich in den nordischen Skidisziplinen und selbst im Biathlon nicht unbedingt die Verdienstmöglichkeiten im Vergleich zu Radsport, Fußball,...

Aber grundsätzlich ist es wohl auch ziemlich unwahrscheinlich, dass nur im Radsport die Bösen sitzen und alle anderen mit Fingern darauf zeigen können. Denn wenn ich an Jörg Jaksche denke, dann gibt es ein Guardia Civil Protokoll, in dem belegt ist, dass Fuentes als "sein betreuender Arzt" einmal 72 Stunden am Stück gearbeitet hat und kurz darauf der FC Barcelona das Champions League Finale gegen Arsenal London gewann. Das einzige öffentlich bekannt gewordene Bild und der einzige Name aus dieser 72-stündigen Observation ist das von Jörg Jaksche.
Es gibt also noch größere Hebel in der Welt des Sports und auch wenn durchaus Zweifel berechtigt sind, glaube ich nicht, dass deutsche Skisportler aktuell (ich bin Realist genug, um Wert auf das aktuell zu legen) dopen. Die Hand ins Feuer lege ich dafür nicht, aber ich kann es mir nicht vorstellen. Vielleicht will ich es auch nicht wahrhaben wie die vielen Fans eines Jan Ullrich.

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