Donnerstag, Mai 10, 2007

Nordic Walking am Ende?

Da lässt sich Achilles nonstop in seiner Kolumne über all die bekloppten Nordic Walker aus und auch allgemein hört man in verbissenen Läuferkreisen nicht viel Gutes über die "Stockterroristen". Schaut man sich dann den Markt an mit nur mehr einem Fünftel der Absatzzahlen von 2005, dann könnte man meinen, ein Trend wird soeben zu Grabe getragen.

Sicher gibt es zweifelhafte Angebote wie Nordic Defence, bei dem man Selbstverteidigung mit Nordic Walking erlernt, oder Nordic Trekking, wo das Wandern und die Orientierung mit GPS "neu" erfunden wird. Dazu kommen Unmengen an Anbietern und Verbänden, die alle für sich verbuchen, Nordic Walking erfunden zu haben und die "einzig richtige" Nordic Walking Technik zu vermitteln. Wenn man dann noch sieht, welche Qualifikationen manch einer dieser Protagonisten mit bringt, dann kann einem schon ein Fragezeichen in den Sinn kommen.

Doch fernab von all diesen Randerscheinungen gibt es ganz einfach den Trend hin zu mehr Gesundheit, Bewegung und Natur in unserer Gesellschaft. Da können sich die elitären Nike Free Träger noch so aufregen, immer mehr Menschen wollen sich bewegen und sie wollen dies nicht in Dimensionen von Kilometerstatistik und Marathon als Statussymbol tun, sondern sie wollen sich wohlfühlen, in der Natur sein, sich dabei unterhalten und ihrem Körper etwas Gutes tun. Dazu kann man stehen wie man will, letztlich ist es genau der richtige Weg und so wie ich akzeptiere, dass manch einer einen Nike Free braucht, anstatt einfach barfuß zu gehen, so sollte man auch die "Quasseltanten" im Park akzeptieren. Wenn sie dann noch gut aussehen, dann hat sicher kein Kilometerfresser der Welt was dagegen, wenn er seinen verschwitzten Körper in schlechter Lauftechnik an ihnen vorbeischieben darf.

Gesundheit findet jenseits von Leistungsdimensionen statt und Bewegung sollte immer vielfältig sein, daher kann man nur alle begrüßen, die sich auf machen und das Sofa verlassen, um die Natur sowie ihren Körper wieder neu zu entdecken. Nordic Walking, oder von mir aus auch einfach nur so tun als ob und Stöcke spazieren tragen, bietet dazu einfach eine perfekte Möglichkeit und ich kann nur jedem raten, es einfach mal zu testen. Am Besten bei einem guten Trainer, doch den zu finden ist mindestens genau so schwierig, wie den Schweinehund zu überwinden, aber es gibt ja zum Glück mittlerweile einige "Wachstumskerne" in Deutschland mit offensichtlich guten Trainern und dazu kann man sich auf http://www.nordic-web.de/ informieren. Wenn es einem Spaß macht, dann bleibt man eben dabei und wenn nicht, dann sucht man sich das heraus, was einem Spaß macht und lässt den anderen Menschen ihren Spaß.

So wie ich jetzt radeln gehen werde und all die verbissenen "Kette rechts Treter" grüßen werde, um dann in der kommenden Woche wieder voller Überzeugung sieben Nordic Walking Kurse zu geben, die Zeit mit meinen fitten Teilnehmern zu genießen und alle Menschen freundlich zu grüßen, die uns begegnen. Denn Sport in seiner vielfältigen Form ist die schönste Nebensache der Welt und wenn sich jeder, inclusive der Nordic Walker nicht so wichtig nimmt, dann haben alle mehr davon.

In diesem Sinne Stock frei.

Dienstag, Mai 01, 2007

Quo vadis Nordische Kombination?

Die Sonne lacht, die Vögel picken, das Gras wächst stetig und nichts zu ... tun. Nicht wirklich, aber einfach mal Bock auf ein paar Zeilen und dann werde ich mich auf mein Rad schwingen, um fette Kilometer für die Form (welche auch immer) zu bolzen. Die Kombinierer haben dazu ja noch ein wenig Zeit, so dass sich ein kleiner Gedankenaustausch anbietet.

Die Nordische Kombination ist ja in der Tradition des Wintersports die Königsdisziplin, doch dank veralteter Strukturen, trägen Funktionären und Ungeschick derselben, führt die Disziplin weiterhin ein Schattendasein hinter dem Langlauf und dem Skispringen.
Der Langlauf hat den Sprint erfunden, Massenstartwettbewerbe und die Tour de Ski eingeführt , im Skispringen hat man die Vier Schanzen Tournee, Skifliegen und das Nordic Tournament und die Nordische Kombination? Einen Warsteiner Grand Prix, den keiner kennt und der dann auch noch ausfällt.
Da gewinnt ein Hannu Manninen vier Mal in Folge den Gesamt Weltcup und hat schon so manches Drama bei Höhepunkten ohne Medaille erlebt. Da holt ein Ronny Ackermann überraschend zum dritten Mal in Folge den Weltmeistertitel in der Gundersen Methode. Da gibt es Franzosen und Amerikaner, die in der Weltspitze mitmischen. Was will man also eigentlich mehr? Es gibt Stars und es gibt die nötige Internationalität. Was es nicht gibt, ist eine moderne Wettkampfstruktur und professionelle Vermarktung. Da muss dringend etwas getan werden und eigentlich gehörten die sicherlich verdienten und zu ehrenden Ulrich Wehlings und Co. einfach abgesägt, aber man müsste ja die Pöstchen für sie erst wieder erfinden.

Wenn man ins deutsche Lager schaut, da haben die Trainerklausuren der vergangenen Wochen zwar eine radikale Verjüngung der Kaderstruktur gebracht, so dass auch ein Juniorenweltmeister wie Florian Schillinger keine Chance mehr in Deutschland erhält, aber an der Spitze drückt es nicht wirklich die Massen nach. Es gibt zwar dank wirklich guter Arbeit im Nachwuchsbereich eine große Zahl Kombinierer und auch hoffnungsvoller Nachwuchstalente, aber ganz oben steht weiter Ronny Ackermann, dann kommt ein Björn Kircheisen, der weiterhin an sich selber scheitert und dann kommen Überraschungsolympiasieger Georg Hettich mit einer komplett verkorksten Saison sowie Sebastian Haseney. Sicher ist es dem Trainerteam um Hermann Weinbuch und Andi Bauer gelungen, Erfolge zu den Höhepunkte zu erzielen und das zählt letztlich, aber ein Björn Kircheisen ist psychologisch, taktisch und im Lebenswandel immer noch ein kompletter Amateur und die Generierung neuer Stars wird die große Herausforderung für die Zukunft werden.

Man darf also gespannt sein und kann jetzt erst mal den Eisbecher genießen. Doch vor den Triumph haben die Götter den Schweiß gestellt, also geh ich erst mal Kilometer schrubben. Der Frühsommer lädt ja dazu ein und Schanze frei!

DW