Trainingssturz beendet die deutschen Medaillenhoffnungen im Skispringen bei der WM in Japan abrupt…
Gips statt Gold – so titeln die Gazetten und leider ist es traurige Wahrheit, für den derzeitigen deutschen Vorzeigespringer Michael Uhrmann ist die Weltmeisterschaft in Japan vorbei, bevor sie überhaupt begonnen hat. Beim ersten Training der Spezialspringer auf der Großschanze von Sapporo sprang Michael Uhrmann im zweiten Durchgang auf hervorragende 131m. Das war der bis dato zweitweiteste Sprung, doch bei der Landung verkantete Uhrmann im leichten Neuschnee und knickte mit dem Fuß im Schuh böse um. Der Olympiavierte von Turin konnte nicht selbst aufstehen und wurde von sechs Helfern mit einer Trage aus dem Auslauf gebracht. Nach einer 45-minütigen Behandlung durch Teamarzt Christoph Rühl brachte ein Krankenwagen den Bayer ins Hospital, um von dort eine Stunde später die Information zu erhalten, dass der Mittelfuß Uhrmanns gebrochen sei. Damit ist für ihn die WM beendet, Bundestrainer Peter Rohwein reagierte entsprechend fassungslos und Martin Schmitt fand das scheinbare deutsche Pech einfach nur „Scheiße“.
Doch man darf schon die Frage stellen, wie kann eine solch beispiellose Verletzungsserie passieren?
Im vergangenen Winter erlitt der Thüringer WM-Starter Jörg Ritzerfeld einen Kreuzbandriss im Knie. Im Sommer musste Uhrmann wegen eines Außenbandrisses im linken Sprunggelenk mehrere Wochen pausieren, danach folgte in der Saison-Vorbereitung ein Schlüsselbeinbruch von WM-Starter Stephan Hocke. Zu Saisonbeginn musste Team-Vizeweltmeister Michael Neumayer nach einem Kreuzbandriss im Knie die Saison vorzeitig beenden und seine WM-Träume begraben. Beim Weltcup in Titisee stürzte Martin Schmitt bei der Landung und holte sich eine Gehirnerschütterung mit Haarriss im Kiefer und auch Michael Uhrmann stürzte im Schwarzwald, trug aber dort „nur“ Prellungen davon, um nun vorzeitig seine WM-Hoffnungen zerplatzen zu sehen.
Es gibt keine Zufälle im Leben, das sagt nicht zuletzt auch der erfolgreichste Wintersportler Österreichs, Felix Gottwald und eine alte Trainerweisheit sagt, „man verliert, was man nicht trainiert“. Aus dieser Sicht lassen sich ganz einfach Mängel im deutschen Skisprungsystem erkennen und vor allen Dingen bei der jetzigen Generation der deutschen Skispringer. Auf eine allgemeine Grundausbildung wurde in der Vergangenheit zu wenig Wert gelegt, frei nach dem Motto, was wollen wir mit Koordination, wir sind doch Skispringer. Doch wie oft stürzen österreichische Skispringer und noch dazu, erinnern Sie sich noch an den Horrorsturz von Thomas Morgenstern in Kuusamo vor zwei Jahren? Ein paar Tage später stand er wieder auf der Schanze. Warum? Weil diese Athleten eine deutlich bessere Basis an Feinmotorik und Körperbeherrschung vermittelt bekommen haben, als dies in Deutschland der Fall ist und damit ist es ihnen möglich, auch bei schwierigen Verhältnissen wie in Titisee, oder in Sapporo, angemessen zu reagieren und auch Stürze motorisch besser zu verarbeiten. Der deutsche Skispringer kennt nur Fußball, Skispringen und Sprünge in der Halle, wenn man dann mal eine Stunde am Strand Aerobic mitmacht, wird das schon als Sensation in den Medien verkauft.
Haben Sie im Gegensatz dazu schon einmal deutsche Kombinierer im Nachwuchs erlebt? Dort bekommt man Hausaufgaben mit auf den Weg, welche Kunststücke man mit Inline-Skates, oder Bällen erlernen muss und man fährt ins Hallenbad, um akrobatische Sprünge vom 3-Meter-Turm zu üben. Alles mit der Idee, ein Höchstmaß an Körperbeherrschung zu erzielen, um damit flexibel auf alle Umstände reagieren zu können.
Man verliert, was man nicht trainiert – in Skandinavien herrschen oft miese Witterungsverhältnisse an den Schanzen und man trainiert trotz, oder gerade wegen diesen Verhältnissen. In Deutschland verschiebt man lieber das Training mit dem Ergebnis, dass es bei nicht sterilen Wettkampfverhältnissen immer eine Ausrede bei den schlechten Bedingungen zu suchen gibt. Alles nur, weil andere besser damit zurecht kommen, eben weil die das trainiert haben. Genauso wie man Sprünge mit Telemarklandung im hohen Weitenbereich trainieren kann, kaum ein deutscher Skispringer allerdings eine saubere Telemarklandung beherrscht, sondern eher immer seine Landung auf den Hinterfuß setzt und dann noch eine Knickbewegung in den Beinen macht, um die Kampfrichter mehr oder weniger zu täuschen. Doch genau diese Angewohnheit wurde Michael Uhrmann nun zum Verhängnis.
Verletzungen passieren nicht einfach als unausweichlicher Schicksalsschlag, sondern es sind situativ entstandene Ergebnisse aus Fehlern der Vergangenheit. Man könnte also weiter fragen, wie sieht es mit der Ernährungsbetreuung unserer Adler aus? Nach den Hungerkuren der Vergangenheit und der neuen BMI-Regel mit dem gnadenlosen Kraftbolzen in jüngster Zeit fragt sich der Beobachter schon, warum man Alles hat und viel Geld verdient, nur keine psychologische Betreuung und keine Betreuung in Hinblick auf die Ernährung erfolgt, wo doch das Gewicht so maßgebend ist, andererseits die Muskeln jedoch schnellkräftige Höchstleistungen vollbringen sollen.
Schade für Michael Uhrmann, der als ehrgeiziger Sportler nun zum Zuschauen verdammt ist, doch der Fehler steckt im System.
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