Von der jugendlichen Leichtigkeit des Siegens und Fliegens bis hin zur urdeutschen Miesmacherei – Auf der Suche nach Schuldigen für die Misere im Skispringen sind wir beim Wetter fündig geworden…
Achtung – Es wird Weihnachten! Auch wenn man das angesichts grüner Wiesen allenthalben kaum wahrhaben will, aber die erste Periode in der Weltcupsaison 2006/2007 ist Geschichte. Je nachdem mit welcher nationalen Brille man diese Geschichte betrachtet, fällt das Kapitel unterschiedlich düster aus. Nimmt man die amerikanische Brille, dann gibt es da gar nichts zu sehen, denn das Land mit den meisten Dicken und der großen Sportbegeisterung hat nicht viel übrig for that crazy skijumpers. Gerade so, dass man in diesem Jahr das Budget für einen Trainer zusammenkratzen konnte und außer den US-Boys gibt es auf dem Kontinent der Indianer kaum Skispringer zu vermelden.
Nimmt man den kommenden WM-Gastgeber Japan, so ist die einstige Skisprungnation aus dem Land der aufgehenden Sonne derzeit wohl eher dem Sonnenuntergang sehr nahe, denn kaum ein mal kann sich ein Athlet der Nippon-Air für den zweiten Durchgang qualifizieren. Da wird es wohl schwer mit Medaillen im Februar zur nordischen Ski WM in Sapporo.
Skisprungtechnisch spielt also derzeit die Musik eindeutig in good old europe, lässt man mal die Südkoreaner bei Seite, die seit Jahren vom Thüringer Hans Georg Aschenbach trainiert werden und immer zwischen den Welten des Continentalcups und des Weltcups pendeln sowie hier und da mal ein Ausrufezeichen setzen.
Wer waren nun die Protagonisten? Ganz eindeutig Simon Ammann, Gregor Schlierenzauer und Anders Jacobsen. Der Simmi hat es mit Geduld geschafft, nach seinem überraschenden Olympiasieg in Salt Lake City sich doch noch einmal als ein echter Könner dieses Sports zu präsentieren und trägt derzeit zurecht das gelbe Trikot des Weltcupführenden. Doch so richtig geil sind die jungen Draufgänger.
Zum Auftakt in Kuusamo hatte man wieder mal vergessen den Wind abzuschalten und trotzdem flog der junge Finne Arttu Lappi zu seinem ersten Weltcupsieg. Mehr hatten die Finnen aber bislang auch nicht anzubieten, doch man kann eindeutig sehen, dass ein Janne Ahonen und seine Teamkameraden so langsam wieder in Schuss kommen, so dass man sicher nicht zur Tournee, aber ganz bestimmt zur WM mit den Finnen rechnen muss.
Bei den Norwegern sieht es eigentlich ähnlich aus. Da gibt es die Megagranate Anders Jacobsen, der noch im vorigen Jahr als Klempner gearbeitet hat und in Engelberg seinen ersten Weltcupsieg feierte, doch dahinter brauchen die arrivierten Stars der Szene noch ein paar Sprünge, um so richtig in Form zu sein. Aber man darf sicher davon ausgehen, dass der „Hexenmeister“ Mika Kojonkovski die Norges noch gehörig auf Trab bringen wird.
Absolut beeindruckend ist seit Jahren der österreichische Skisprungsport, die mit Gregor Schlierenzauer den derzeit überragenden Mann (wobei Junge ob seiner 16 Jahre besser wäre) der Szene in ihren Reihen haben, der aus 4 Weltcupstarts mal eben 2 Weltcupsiege und 2 Podiumsränge holte. Das hat in der Geschichte des Skispringens bislang keiner geschafft und darüber hinaus ist es wunderbar anzusehen, in welcher Breite die Austria-Air in der Weltspitze vertreten ist. Dabei haben die „alten Hasen“ um Andreas Widhölzl, der seinen Sprungstil umgeschmissen hat und Martin Höllwarth mächtig zu tun, um den Youngsters überhaupt hinterher zu kommen.
Und Wo ist Deutschland?
Gute Frage. Die Antwort lautet wohl irgendwo im nirgendwo, denn Siegspringer sind derzeit keine in Aussicht. Die Nachwuchsarbeit wurde im Gegensatz zu den Österreichern seit Jahren vernachlässigt und die Medienlandschaft prügelt fleißig auf die Nationalspringer ein. Kein Wunder also, wenn die Herren Uhrmann, Späth und Schmitt geduckt wie Prügelknaben durch die Landschaft wandeln und schlaue Ratschläge von Ehemaligen helfen ihnen da auch nicht weiter.
Was qualifiziert eigentlich die Herren Weißflog und Thoma zu ihrer lauthalsen Kritik? Sie waren einmal Athleten, erfolgreich noch dazu, aber das Skispringen ist seither komplett verändert, die Leistungsdichte hat extrem zugenommen und eine Qualifikation als Trainer können beide nicht vorweisen. Glaubt man wirklich, dass man mit den Methoden ihrer Trainer, also von vorgestern, aus den jetzigen Athleten Siegspringer von morgen machen kann? Es ist zwar bald Weihnachten, aber der Wunsch geht nicht in Erfüllung.
Fakt ist, Michael Uhrmann war Juniorenweltmeister, im letzten Jahr einer der Tourneefavoriten und damit schon öfters knapp vor seinem absoluten Durchbruch. Martin Schmitt kennt jeder und auch ein Georg Späth besitzt Potentiale. Was ihnen allen fehlt ist sicher ein gewisser Umfang an verbesserter Trainingsarbeit, aber vor allen Dingen der Spaß und die Leichtigkeit bei der Sache, die den jungen Überfliegern eigen ist. Wenn man die deutschen Adler von Mikrofon zu Mikrofon kriechen sieht, dann glaubt man, sie müssten die Last der Welt tragen. Dabei dürfen sie dem schönsten Hobby der Welt beruflich nachgehen und wir bezahlen auch noch Geld dafür, ihnen dabei zu zu schauen.
Also nehmt mal den Stock aus dem Kreuz und lasst es laufen – Die Tournee kommt bestimmt, egal ob es nun noch schneit oder nicht und damit bieten sich neue Chancen für Heldentaten und schöne Flüge. Wir dürfen gespannt sein, wer sich diesmal den Sieg bei der Vier Schanzen Tournee holen wird und bis dahin futtern wir noch ein paar Plätzchen und genießen noch einmal die schönsten Flüge der bisherigen Saison als Videos auf www.nordic-web.de !
Frohe Weihnachten!
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