Mittwoch, November 29, 2006

Doping und kein Ende

Die Prozessakten von Thomas Springstein liegen mittlerweile den Deutschen Spitzensportverbänden vor und zeigen offenbar das Scheitern des Dopingkontrollsystems.

Nachdem bereits die Namen von Grit Breuer und Olympiasieger Nils Schumann genannt wurden, kamen jetzt auch die Namen der Triathleten Anja Dittmer und Stephan Vuckovic, Olympiasilbermedaillengewinner in Sidney, ins Doping-Gerede.


Der ehemalige Trainer Thomas Springstein ist inzwischen wegen Dopingvergabe an eine damals minderjährige Athletin zu einer Bewährungsstrafe von 16 Monaten verurteilt. Der Prozess gegen ihn ist seit einem halben Jahr zu Ende, doch nachdem die Staatsanwaltschaft Magdeburg dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) Einsicht in die Akten gegeben hat, geht ein Aufschrei durch den Sport. Denn die Akten dokumentieren das Scheitern des Dopingkontrollsystems.

Wohl noch nie haben Sportfunktionäre so tiefe Einblicke in die Möglichkeiten der Leistungsmanipulation erhalten. Auf ihrer Grundlage hat der DLV auch Strafanzeige gegen Peraita und den niederländischen Athletenmanager Jos Hermens erstattet und ein Ermittlungsverfahren gegen mehrere Athleten eingeleitet, darunter Springsteins Lebensgefährtin Grit Breuer.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Prozess und den Skandalen der letzte Monate lauten:

·      Dopingkontrollen braucht man nicht fürchten, vorausgesetzt man hat die richtigen Kontakte.

o        Denn Blutkontrollen finden nicht im Training statt, damit ist durchaus ein Doping mit Insulin und Wachstumshormonen möglich.

o        Der Wachstumsfaktor IGF1 wird derzeit nur in der Forschung verwendet und scheint der letzte Schrei im Dopingsumpf zu sein, denn ein Nachweis ist nicht möglich und über Risiken macht sich keiner Gedanken.

o        Falls man doch mal Gefahr läuft, einen Dopingtest abgeben zu müssen und nicht sauber ist, dann gibt es „Reiskörner“ und „Shakes“, die Dopingproben unbrauchbar machen und Dopingfahnder staunen lassen.

o        Fast schon Allgemeinwissen ist das Doping mit Dosierungen unterhalb der Nachweisgrenze, wie zum Beispiel mit Testosteronpflastern

·      Doping findet als großes Geschäft in Netzwerken statt

o        Radsportler fliegen nach Spanien und haben betreuende Ärzte in Italien, Belgien und Deutschland.

o        Ein deutscher Trainer lässt sich von einem spanischen Arzt beraten und wickelt Alles über einen holländischen Athletenmanager ab.

o        Die Mittelchen werden aus Lagern gestohlen, aus Labors, Arztpraxen und Krankenhäusern überall in der Welt beschafft und illegal in Asien hergestellt. Überall gibt es willige Mittäter, die daran gutes Geld verdienen.

o        In der Dopingszene werden Milliarden umgesetzt, speziell im Freizeitsportbereich (bei Bodybuildern und Kraftsportlern) herrschen mafiöse Strukturen.

·      Doping kennt keine Skrupel

o        Man hat keine Angst vor Nebenwirkungen, Springstein selbst hat ja Anfang der Neunziger Katrin Krabbe und Grit Breuer mit Clenbuterol, einem Mittel aus der Kälbermast gedopt,

o        Oxiglobin, ein Blutersatzstoff und bislang nur in der Tiermedizin der USA zugelassen, wird offen auf dem Markt nachgefragt.

o        Springstein fragt in den Mails nach Repoxygen, das wiederum ist ein Mittel, welches in die Erbstruktur eingreift und bislang noch nicht einmal über den Tierversuch hinausgekommen ist.

o        Springstein wurde in diesem Prozess wegen Minderjährigendopings verurteilt, wobei vielen Beteiligten klar war, dass der Prozess einen ungewöhnlichen Verlauf genommen hat, um nicht für einen großen Skandal in der Leichtathletik zu sorgen, denn Springstein wurde mit dem Prozess auch zum Schweigen über die Details verurteilt.

Bin ich Idealist, wenn ich daran glaube, dass die Nordische Kombination, das Skispringen und der Ski Langlauf sauber sind?

Was sagen Sie?

 

Hang loose

 

DW

 

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